Postel Druckguss strebt Sanierung in Eigenverwaltung im Schutzschirmverfahren an

Die Postel Druckguss GmbH (POSTEL) mit Sitz in Köln, ein Spezialist für Druckguss-Lösungen aus Aluminium und Zink, hat am 01. April 2020 beim Amtsgericht Köln einen Antrag auf Sanierung in Eigenverwaltung im Schutzschirmverfahren (gemäß § 270 b InsO) gestellt. Das Amtsgericht ist dem Antrag gefolgt und hat Herrn Rechtsanwalt Rüdiger Weiß von der Kanzlei WallnerWeiß in Köln zum vorläufigen Sachwalter bestellt. Er wird als ‚verlängerter Arm‘ des Gerichts die im Amt bleibende Geschäftsleitung konstruktiv begleiten und dabei die Interessen der Gläubiger wahren.

Die Geschäftsleitung von POSTEL wird zudem von dem auf Restrukturierungen spezialisierten Sanierungsexperten Rechtsanwalt Dr. Sebastian Braun, LL.M. von der Kanzlei reinhart | kober | großkinsky | braun unterstützt. Ziel des Antrags ist, das in finanzielle Schieflage geratene Unternehmen zu stabilisieren und mittels einer Neuausrichtung wieder langfristig wettbewerbsfähig aufzustellen.

Löhne und Gehälter durch Insolvenzgeld gesichert

Die Löhne und Gehälter der rund 130 Mitarbeiter sind durch das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit bis Ende Juni 2020 gesichert. Darüber sowie über das Schutzschirmverfahren und die nächsten Schritte wurde die Belegschaft durch die Geschäftsleitung und den vorläufigen Sachwalter informiert. Der Geschäftsbetrieb bei POSTEL läuft im Rahmen der aufgrund der Corona-Krise geltenden gesetzlichen Bestimmungen und der damit einhergehenden Besonderheiten vollumfänglich weiter.

Ziel ist Erhalt und Fortführung

„Insbesondere der Strukturwandel im Automobilmarkt hat die Nachfrage bei POSTEL leider so stark einbrechen lassen, dass wir diesen Rückgang nun nicht mehr durch andere Aufträge ausgleichen können“, sagt Geschäftsführer Kay Postel. „Dennoch bin ich zuversichtlich, dass wir POSTEL durch die angestrebte Sanierung neu aufstellen und in eine stabile Zukunft führen können. Denn POSTEL ist ein im Kern funktionierendes Unternehmen und unsere hochspezialisierten Produkte sind im Markt bekannt und werden geschätzt.“

In den nächsten Monaten wird der Geschäftsführer gemeinsam mit dem Sanierungsexperten Dr. Sebastian Braun und in Abstimmung mit dem vorläufigen Sachwalter Rüdiger Weiß einen Insolvenzplan erstellen, mit dem die Postel Druckguss GmbH eine Sanierung über die konsequente Umsetzung von Restrukturierungsmaßnahmen erzielen kann. Dieser Insolvenzplan wird innerhalb der nächsten drei Monate bei Gericht eingereicht und den Gläubigern zur Abstimmung vorgelegt. Stimmen die Gläubiger dem Insolvenzplan zu, so kann das Verfahren bereits nach kurzer Zeit aufgehoben werden und POSTEL könnte gestärkt aus dem Schutzschirmverfahren neu starten.

Auftragsrückgänge bei zu hohen Kosten Auslöser für die Krise

In den Jahren 2013 und 2014 hatte die Postel Druckguss GmbH zwei Großprojekte für Vakuum- und Wasserpumpen gewinnen können. Um die Aufträge sowie auch die allgemein hohe Nachfrage erfüllen zu können, musste das Unternehmen kurzfristig neue Mitarbeiter einstellen sowie in neue Gieß- und Bearbeitungsmaschinen investieren. Probleme bei der Projektrealisierung sorgten dafür, dass trotz eines gestiegenen Umsatzvolumens das operative Ergebnis von POSTEL zurückging. Seit 2018 sinkende Auftragszahlen verschärften diese Situation zusätzlich. Daher erarbeitete die Postel Druckguss GmbH im letzten Jahr verschiedene Maßnahmen, um das Unternehmen aus eigener Kraft wieder profitabel aufzustellen. Durch die Corona-Pandemie und den damit einhergehenden weiteren Auftragseinbußen sieht sich POSTEL aber nun nicht mehr in der Lage, den Geschäftsbetrieb außerhalb eines gerichtlichen Verfahrens zu sanieren.

Dr. Sebastian Braun

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